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Anlagestrategie

Diese drei Entwicklungen im zweiten Halbjahr 2023 sollten Investoren nicht verwundern

18.07.2023

Stellen Sie sich auf ein mögliches Allzeithoch des S&P 500*, eine weltweite Erholung im verarbeitenden Gewerbe und auf Stillstand infolge der US-Wahlen ein.

Die Fixierung des Marktes auf eine mögliche Rezession, die das erste Halbjahr 2023 prägte, ist einer fast unheimlichen Ruhe hin zum Hochsommer gewichen.

Die Bankenkrise im März und die Debatte über die Schuldenobergrenze im Mai zogen wie Sturmböen vorüber, scheinen der Wirtschaft als Ganzes jedoch relativ wenig Schaden zugefügt zu haben. Tatsächlich entwickelten sich die Märkte im ersten Halbjahr 2023 sehr gut – was viele überraschte. Ein Portfolio aus 60 % Aktien und 40 % Anleihen hat in diesem Jahr bisher einen Ertrag von fast 9 % bis 12 % erzielt.1

Die Frage ist: Was erwartet die Wirtschaft und die Märkte in der zweiten Jahreshälfte?

Unser Halbjahresausblick (zusammen mit der Einschätzung zur globalen Anlagestrategie) hat zum Thema, was unserer Meinung nach am wahrscheinlichsten ist. Über unser Basisszenario hinaus sehen wir jedoch drei Szenarien, deren Eintreten keine Überraschung wäre:

  • Der S&P 500 könnte durchaus ein neues Allzeithoch erreichen.
  • Das verarbeitende Gewerbe weltweit hat das Potenzial, sich zu erholen.
  • Die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen werden im nächsten Jahr eine wichtige Rolle spielen.

Sie können sich auf diese Möglichkeiten vorbereiten, indem Sie Ihre Allokation in Aktien und konjunktursensiblen Sektoren wie Small- und Mid-Caps und den Schwellenländern überprüfen. Zudem sollten Sie Ihren langfristigen Investitionsplan auch in den wahlkampfbedingten Turbulenzen konsequent verfolgen.

Investoren, die dieses Jahr Sicherheit und Rendite in US-Schatzwechseln und Geldmarktfonds suchten, haben die Aktienrally im ersten Halbjahr 2023 verpasst. Die Geschichte zeigt jedoch, dass es noch nicht zu spät ist, um zu investieren und möglicherweise Gewinne zu erzielen. Auf neue Allzeit-Markthöchststände vor Jahresende sollte man sich nicht verlassen – aber sie wären auch keine Überraschung.

Nach der 15-prozentigen Rally im ersten Halbjahr 2023 ist der Index weniger als 10 % von einem neuen Rekord entfernt. Das Szenario eines neuen Allzeithochs für den S&P 500 ist wahrscheinlich realistischer als die meisten denken.

Der historische Präzedenzfall für einen solchen Marktaufschwung ist klar: Eine starke erste Jahreshälfte bringt normalerweise eine starke zweite Jahreshälfte hervor. Wenn der S&P 500 seit 1950 in der ersten Jahreshälfte um über 10 % zulegte, betrug der mittlere Anstieg des Index in der zweiten Jahreshälfte weitere 10 %.2 Die Erträge im zweiten Halbjahr waren nach einem starken ersten Halbjahr sogar noch besser, wenn das Vorjahr negativ ausfiel. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keinen Rückschluss auf zukünftige Erträge zu, aber neue Allzeithochs bis zum Jahresende würden wahrscheinlich der historischen Tendenz entsprechen.

Nach einer starken ersten Jahreshälfte entwickeln sich die Märkte im zweiten Halbjahr tendenziell gut

Quelle: Carson Group, Bloomberg Finance L.P. Stand der Daten: 5. Juli 2023. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Direkte Anlagen in einen Index sind nicht möglich.
Die Grafik beschreibt die Erträge des S&P 500 über 30 Jahre, nachdem der Referenzindex bis Juni um mindestens 10 % gestiegen ist. Die linke Seite beschreibt die Zuwächse im ersten Halbjahr 1954: 18 % 1955: 14 % 1958: 13 % 1961: 11 % 1967: 13 % 1975: 39 % 1976: 15 % 1983: 20 % 1985: 15 % 1986: 19 % 1987: 26 % 1988: 10 % 1989: 14 % 1991: 12 % 1995: 19 % 1997: 19 % 1998: 17 % 1999: 12 % 2003: 11 % 2019: 17 % 2021: 14 % Median: 15 % Rechts ist die Wertentwicklung sechs Monate später dargestellt. 1954: 23 % 1955: 11 % 1958: 22 % 1961: 11 % 1967: 6 % 1975: -5 % 1976: 3 % 1983: -2 % 1985: 10 % 1986: -3 % 1987: -19 % 1988: 2 % 1989: 11 % 1991: 12 % 1995: 13 % 1997: 10 % 1998: 8 % 1999: 7 % 2003: 14 % 2013: 15 % 2019: 10 % 2021: 11 % Median: 10 %

In der ersten Hälfte dieses Jahres überstand der Markt die „Rezessionsfixierung“ sowie existenzielle Risiken wie Bankenpleiten und die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung. (Zum Glück kam es
nicht dazu.)

Inzwischen sieht der Himmel für die zweite Hälfte des Jahres 2023 viel klarer aus: Ein sich erholender Immobilienmarkt und sinkende Energiepreise stärken das Verbrauchervertrauen und verringern das Risiko einer kurzfristigen Rezession. Obwohl die Risiken bei Regionalbanken und Gewerbeimmobilien weiterhin bestehen, scheinen die Märkte sie zum jetzigen Zeitpunkt gut verstanden zu haben, und die Wahl findet erst im nächsten Jahr statt (dazu später mehr).

Grundsätzlich beginnen die Gewinnerwartungen zu steigen und die Unternehmensmargen haben sich stabilisiert. Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass der Markt wahrscheinlich weitere Zuwächse verzeichnen wird.

Natürlich war die starke Performance des S&P 500 im ersten Halbjahr auf die kräftige Erholung der größten Aktienwerte zurückzuführen. Es wäre jedoch verkürzt, zu sagen, dass dies die einzigen Aktien waren, die eine Rally verzeichneten. Auch Sektoren wie Halbleiter, Hausbau sowie Reisen und Freizeit entwickelten sich besser als der breite Markt.

In der zweiten Jahreshälfte könnten wir eine Aufholjagd von Sektoren wie Industrie, Immobilien und dem Gesundheitswesen beobachten.

Die weltweite Fertigung lässt seit über einem Jahr nach. Investoren, die sich die derzeit desolaten Umfragen im verarbeitenden Gewerbe ansehen, sollten jedoch nicht daraus schließen, dass die Wirtschaft auf einen plötzlichen Stillstand zusteuert. Vielmehr haben das verarbeitende Gewerbe und der Handel möglicherweise schon einige der schlimmsten Stürme überstanden und das Gröbste wahrscheinlich hinter sich. Wir wären noch nicht einmal überrascht, wenn sie im zweiten Halbjahr 2023 wieder zulegen würden.

In der längsten Serie rückläufiger Messwerte seit der globalen Finanzkrise hat sich die weltweite Aktivität im verarbeitenden Gewerbe seit Sommer 2021 verlangsamt und schrumpft seit September 2022 deutlich, wie aus dem entsprechenden Einkaufsmanagerindex (EMI) von J.P. Morgan hervorgeht.

Natürlich führte die schwächere Nachfrage nach Gütern zu einem Rückgang der Einkaufsmanagerindizes. Aber die Nachfrage ist nicht der einzige Faktor für EMI-Umfragen. Auch die sinkende Inflation und die Erholung der Lieferketten lassen die EMI-Umfragen kontraintuitiv schwächer erscheinen. Mit dem Rückgang der Rohstoff- und Güterinflation und der Entspannung in den Lieferketten sind diese beiden Teilkomponenten der EMI-Umfragen stark eingebrochen.

Es kann sein, dass der Aufschwung der globalen Fertigungs- und Handelszyklen nun endlich bevorsteht. In der Tat könnten einige Kennzahlen kaum schlechter sein. Die US-Importe aus China sind im Jahresvergleich um fast 40 % zurückgegangen, was nahe an zyklischen Tiefpunkten liegt. Außerdem ist die Produktion wichtiger Materialien wie Containern im Jahresvergleich um 6 % gesunken, was den stärksten Einbruch seit 1980 außerhalb der globalen Finanzkrise darstellt. 

Schlüsselindikatoren zeigen, dass die globale Produktion und der Handel ihren Tiefpunkt erreicht haben

Quellen: Census Bureau, Haver Analytics, Federal Reserve Board. Stand der Daten: Juni 2023.
Das Diagramm beschreibt die Beziehung zwischen der US-Containerproduktion (prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr) und den US-Importen aus China (prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr). Für die Linie der US-Containerproduktion lag der erste Datenpunkt bei 0,06 % im Januar 1990. Dann stieg sie im April 1992 auf 6,59 %. Später sank sie auf -6,38 % im Juli 1995. Bald darauf stieg sie wieder auf einen Höchststand von 7,23 % im Juli 2007. Im Dezember 2008 ging sie dann bis auf -14,39 % zurück. Dann ging es wieder bergauf, bis sie im April 2021 mit 9,16 % ihren Höchststand erreichte. Die Serie endete im Mai 2023 mit -6,38 % tiefer. Für die Linie der US-Importe aus China lag der erste Datenpunkt im Januar 1995 bei 24,88 %. Dann stieg sie stark an und erreichte im Dezember 2002 einen Höchstwert von 56,9 %. Dann schwankte sie und fiel auf den niedrigsten Wert von -36,81 % im März 2020. Kurz darauf erreichte sie mit 103,4 % im März 2021 ihren Höchststand. Am Ende schlossen die Daten im Mai 2023 mit -18,08 % niedriger ab.

Mittlerweile haben sich die Lagerbestände indes normalisiert, da die Nachfrage stabil geblieben ist. Die Unternehmen könnten ihre Bestellungen steigern, da die Ängste vor einer baldigen Rezession nachlassen. Ebenso gibt es Anzeichen dafür, dass die Überkapazitäten im Transportsektor ihren Höhepunkt erreicht haben. Jede Art von Konjunkturimpuls der politischen Entscheidungsträger in China könnte eine möglicherweise natürliche Bodenbildung im verarbeitenden Gewerbe zusätzlich begünstigen.

Wenn der Welthandel und das verarbeitende Gewerbe tatsächlich anziehen, könnten konjunktursensible Marktsegmente wie Small- und Mid-Caps, Schwellenländer und Industriewerte zulegen.

Wir haben die Investoren immer wieder darauf hingewiesen, dass Wahlen historisch betrachtet in der Regel kaum nachhaltige Auswirkungen auf die Märkte haben, selbst wenn bestimmte Sektoren und Branchen tatsächlich von politischen Veränderungen betroffen sind. Seien Sie nicht überrascht oder verunsichert, wenn die politischen Kommentare im Marktdiskurs in der zweiten Jahreshälfte 2023 Fahrt aufnehmen.

Kommentatoren müssen ihre Meinung äußern. Da viele der großen Marktdebatten (Inflation, Rezession, Bankenkrise usw.) in den Hintergrund gerückt sind, werden die Experten ihre Sorgen bezüglich der Präsidentschaftswahlen 2024 möglicherweise stärker thematisieren.

Es rumort bereits, während die Talkshows spekulieren: Kann ein republikanischer Kandidat Trump wirklich herausfordern? Erhält Biden einen unerwarteten Gegenkandidaten bei den Demokraten? Was könnte eine neue Regierung für den Inflation Reduction Act, die Gesundheitspolitik, die Staatsausgaben oder die Beziehungen zwischen den USA und China bedeuten?

Gehen Sie davon aus, dass die Aufregung weiter zunehmen wird, was aber nicht unbedingt für die potenziellen Auswirkungen gilt.

Ganz gleich, welche Überraschungen dieses Jahr auf Sie zukommen: Ihr Team bei J.P Morgan steht Ihnen zur Seite, um ein Portfolio aufzubauen, das Ihren finanziellen Zielen gerecht wird.

*Direkte Anlagen in einen Index sind nicht möglich.

1Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.  Quelle: FactSet. Stand der Daten: 5. Juli 2023.

2Quelle: Bloomberg Finance L.P. Stand der Daten: 5. Juli 2023.

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Bitte erzählen Sie uns mehr über sich, und unser Team wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen.

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