Wie Sie die globale Pandemie und ihre Folgen verstehen und darauf reagieren

Eine Stellungnahme von David Frame, dem CEO der Private Bank in den USA

Die letzten Wochen waren schwierig. Neben der Verunsicherung, die mit der Marktvolatilität einhergeht, hat der persönliche Aspekt der COVID-19-Epidemie uns alle auf die eine oder andere Weise beeinflusst.

Zeiten wie diese erinnern mich daran, wie wichtig es ist, innezuhalten und eine ausgewogene Sichtweise zu bewahren. Widrigkeiten sind für Menschen, Volkswirtschaften oder Finanzmärkte nichts Neues. Die Geschichte lehrt uns, dass die Menschheit ihren Herausforderungen stets gewachsen war. Dieses Mal wird es nicht anders sein.

Niemand weiß genau, was in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten auf uns zukommt, aber wir können uns auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Ich persönlich habe vor kurzem mit meinem eigenen Berater von J.P. Morgan gesprochen, um den Plan meiner Familie zu überprüfen und sicherzustellen, dass wir auch bei einem weiteren Marktrückgang noch auf dem richtigen Weg sind.

Das Gespräch hat sich gelohnt – ich würde es Ihnen ebenfalls empfehlen. Mein Berater hat mir auch erklärt, wie sich dieser Schock auf unseren Ausblick für die Wirtschaft und die Märkte in den kommenden Quartalen auswirkt. Diese Erkenntnisse möchte ich nun mit Ihnen teilen.

Der unvorhersehbare Faktor: eine globale Pandemie

Der Ausblick auf 2020, den die Private Bank im Januar veröffentlichte, beruhte auf drei Grundpfeilern:

  1. Die US-Expansion verlängert sich um ein weiteres Jahr.
  2. Die Zinsen werden wahrscheinlich niedrig bleiben.
  3. Die von uns verwalteten Portfolios sind darauf vorbereitet, ggf. auch mit unvorhersehbaren Faktoren umzugehen.

Keine drei Monate später stellt der unvorhersehbare Faktor COVID-19 diese Grundpfeiler auf den Prüfstand. Unsere derzeitige Einschätzung:

  1. Die US-Expansion wird wahrscheinlich zu Ende gehen, aber die politischen Entscheidungsträger können ein Worst-Case-Szenario noch vermeiden.
  2. Die Zinsen werden sehr wahrscheinlich auf ihrem niedrigen Niveau verharren.
  3. Die von uns verwalteten Portfolios sind weiterhin auf unvorhergesehene Faktoren vorbereitet.  

Wie die Märkte reagieren

Das neuartige Coronavirus, das aus der chinesischen Region Hubei stammt, betrifft Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Während sich das Wachstum neuer Fälle in China und Korea verlangsamt,1 nimmt das allgemeine Fallwachstum außerhalb Chinas zu, mit besonders beunruhigenden Trends im Iran sowie in Frankreich, Italien und jetzt den Vereinigten Staaten.

Quelle: Bloomberg, Johns Hopkins, WHO. 16. März 2020.
Abbildung 1: Das Balkendiagramm zeigt die Anzahl der bestätigten Fälle in und außerhalb Chinas vom 2. Februar 2020 bis zum 13. März 2020. Wie man sieht, haben sich die Fallzahlen außerhalb Chinas zuletzt erhöht, während sie in China selbst relativ stabil geblieben sind.

Als die Anleger erkannten, dass sich das Virus außerhalb Chinas wahrscheinlich signifikant ausbreiten würde, brachen die globalen Aktienmärkte um über 25 % ein. Auch die Renditen der US-Staatsanleihen stürzten von etwa 1,6 % auf bis zu 0,30 % ab (ein Allzeittief).

Um die Wirtschaft zu entlasten, hat die US-Notenbank die Zinssätze auf Null gesenkt und ein umfangreiches Wertpapierkaufprogramm neu gestartet, um sicherzustellen, dass die Anleihenmärkte reibungslos funktionieren und die Vermögenspreise zu stützen. In ähnlicher Weise lockern die EZB, die Bank of England und die chinesische Notenbank derzeit ihre Geldpolitik, um die Aktivität zu fördern.

Der Schock der COVID-19-Epidemie hat bereits die 11-jährige Hausse am US-Aktienmarkt beendet. Die nächsten Fragen lauten: Wird er die US-Expansion beenden? Und wenn ja, was könnte das für die Vermögenspreise bedeuten?

Was mit unserer Wirtschaft passiert

Die Wirtschaft steht vor drei unterschiedlichen Schocks:

  1. Angebotsschock – Strenge Eindämmungsstrategien können zu einer geringeren Produktion und unterbrochenen Lieferketten führen.
  2. Nachfrageschock – Die Nachfragesituation ist schwieriger einzuschätzen. Wie viele Ausgaben werden gekürzt? Wie viele Flüge storniert? Zusammenkünfte verschoben? Wir wissen es nicht, aber es scheint immer wahrscheinlicher, dass sich die Nachfrage so weit verzögern oder ganz entfallen wird, dass die USA in der ersten Hälfte dieses Jahres ein negatives BIP-Wachstum verzeichnen werden.
  3. Ölpreisschock – Dies ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wirken sich niedrigere Ölpreise positiv auf die finanzielle Situation der Verbraucher aus und könnten zu höheren Ausgaben für andere Dinge führen. Andererseits ist der plötzliche Einbruch der Ölpreise ein klarer Negativfaktor für die Kreditmärkte (der Energiebereich macht den größten Teil der meisten Indizes für Hochzinsanleihen aus). In der Tat stiegen die Spreads im Hochzinssegment (ein Maßstab für die vom Markt erwarteten zukünftigen Ausfallraten) auf ein Niveau, das zuletzt beim Ölpreisverfall von 2015 und 2016 verzeichnet wurde.

Während die Frage nach dem BIP-Wachstum bedeutsam ist, spiegelten Risikoanlagen ohnehin einen viel pessimistischeren Ausblick wider, bedingt durch den starken Rückgang der Aktienkurse und den Anstieg der Kreditspreads. Die Kursbewegungen, die wir zuletzt gesehen haben, sind mehr oder weniger das, was man von einer Rezession erwarten würde. (Siehe Abbildung.)

Damit sich die Wirtschaft verschlechtert, müsste die Kreditverfügbarkeit erheblich beeinträchtigt sein, und die Unternehmen müssten Personal abbauen, um solvent zu bleiben. Wir werden zwei Schlüsselfaktoren beobachten: die Höhe der Kredite, die in die Wirtschaft fließen, und die Entwicklung der Beschäftigungszahlen.

Quellen: J.P. Morgan Private Bank, Bloomberg Finance L.P. Stand der Daten: 16. März 2020. US-IG-Anleihen = JPM U.S. Agg Corp Spread, US-Hochzinsanleihen = JPM U.S. Corp HY Spread.
Abbildung 2: Das Balkendiagramm zeigt die prozentuale Bewegung in früheren Rezessionsphasen für den S&P 500, US-Anleihen mit IG, US-Hochzinsanleihen und 5-jährige US-Anleihen. Es vergleicht diesen Markteinbruch mit der durchschnittlichen Rezession.

Um die Verfügbarkeit von Krediten zu stützen, hat die US-Notenbank die Zinsen bereits auf Null gesenkt und die quantitative Lockerung wieder aufgenommen. Darüber hinaus wünschen wir uns ein gezieltes Kreditprogramm, das Anreize im Finanzsystem schafft, um die voraussichtlich am stärksten betroffenen Sektoren (Reisen und Freizeit, Energie usw.) mit Krediten zu versorgen. Unterstützende Maßnahmen der chinesischen Notenbank, der Europäischen Zentralbank und der Bank of England werden ebenfalls helfen.

Wie wir jedoch in unserem Ausblick erläutert haben, kann die Geldpolitik allein die Wirtschaft nicht retten. Um die negativen Folgen aufzufangen, sollten auch die Regierungen auf der ganzen Welt erwägen, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Natürlich wäre ein Impfstoff besser als geld- und fiskalpolitische Anreize. Aber niedrigere Zinsen, gezielte Kreditprogramme und Konjunkturmaßnahmen könnten die Wirtschaft stützen und dafür sorgen, dass die Unternehmen diese Zeit überbrücken können, damit sie keine Mitarbeiter entlassen müssen.

Was Anleger jetzt tun können

Unterdessen bestärkt der COVID-19-Schock unsere Überzeugung, dass die Zinsen niedrig bleiben werden. Ertragsorientierte Anleger werden ihr Instrumentarium noch weiter ausdehnen müssen, um Wachstum zu finden. Außerdem sollten sie in Betracht ziehen, die Portfolios mit anderen Produkten zu diversifizieren, um die Volatilität abzufedern.

Quelle: Bloomberg, Federal Reserve, JPMAM. 16. März 2020.

 

Abbildung 3: Das Liniendiagramm zeigt den Leitzins der US-Notenbank von 2015 bis zum 16. März 2020. Ferner veranschaulicht es die zukünftigen Markterwartungen, ob der US-Leitzins wieder auf 0 % sinken wird.

Wir haben in unserem Ausblick betont, dass Multi-Asset-Portfolios auf unvorhersehbare Faktoren vorbereitet waren, sogar auf diesen. Zu Jahresbeginn hielten wir eine leichte Übergewichtung von Aktien. Wir setzten auf Kernanleihen, um uns gegen potenzielle Schockereignisse abzusichern. Ein solcher Schock ist nun eingetreten. Bis zum 12. März büßten globale Aktien über 24 % ein, während Kernanleihen um 3 % zulegten. Im vergangenen Jahr gaben globale Aktien um 13 % nach, aber Kernanleihen erzielten ein Plus von über 10 %.

Nach der jüngsten Marktbewegung sind Aktien in den meisten unserer Portfolios jetzt untergewichtet; wir entscheiden uns aktiv dafür, dass dies auch so bleibt. Insgesamt sind wir defensiv positioniert, und das ist unserer Meinung nach der richtige Weg, um in dieser Ungewissheit zu investieren.   

Als Anleger muss man immer mit unvorhergesehenen Ereignissen rechnen. Die eigentliche Herausforderung: Wie reagiert man darauf?

Wir empfehlen Ihnen, das derzeitige Niedrigzinsumfeld für eine Kreditaufnahme zu nutzen. Möglicherweise möchten Sie angesichts der Volatilität auch in langfristige Faktoren investieren, wie zum Beispiel digitale Transformation, Innovation im Gesundheitswesen oder Nachhaltigkeit. (Siehe hierzu unseren Artikel „Finden Sie jetzt Wachstum mit den Anlage-Megatrends von morgen“.) Vor allen Dingen sollten Sie sicherstellen, dass sowohl Ihre Investments als auch das Risiko, das Sie eingehen, Ihren langfristigen Zielen zugutekommen.

Schlussbemerkungen von David Frame

Als ich meinen Plan gemeinsam mit meinem Berater entwickelte, führten wir eine Analyse durch, die Tausende möglicher Marktszenarien simulierte. Es ging um die Frage, wie sich jedes dieser Szenarien auf die Wahrscheinlichkeit auswirken könnte, dass ich meine Ziele erreiche. Es war beruhigend zu wissen, dass auch die jetzige Situation zu den Szenarien gehörte, für die wir vorgesorgt haben. Wir möchten vor allem, dass Sie wissen, dass Sie sich weiterhin auf die globalen Ressourcen und die Stabilität von J.P. Morgan Chase verlassen können. Wir stehen an Ihrer Seite, um Ihnen zu helfen, Sie zu beraten und unsere besten Ideen mit Ihnen zu teilen, wie man in dieser Phase vorgehen sollte.

Ich danke Ihnen für Ihr anhaltendes Vertrauen in uns.

1 Dies deutet darauf hin, dass eine Kombination aus aggressiven Eindämmungsstrategien sowie transparenten und weitreichenden Tests das Virus bekämpfen kann.