Es ist von großer Bedeutung, den Wert digitaler Aufzeichnungen und Vermögenswerte zu ermitteln und dafür zu sorgen, dass sie in die Nachfolgeplanung eingebunden sind.

Wir verbringen heutzutage einen großen Teil unseres Lebens online. In der digitalen Welt kann man Menschen begegnen, einkaufen, interagieren, Bankgeschäfte tätigen und sparen. Die Cloud ist auch der Ort, an dem viele von uns die visuellen und schriftlichen Erinnerungen unseres Lebens festhalten. 

Es ist wichtig, diesen umfangreichen digitalen Fußabdruck als Teil unserer Hinterlassenschaft zu betrachten und ihn in unserer Nachfolgeplanung zu berücksichtigen. Gerade jetzt bietet sich dank der neuen Perspektive und der Zeit, die wir während der COVID-19-Krise gewonnen haben, eine perfekte Gelegenheit, um den Wert unserer digitalen Aufzeichnungen und Vermögenswerte sowie das Potenzial finanzieller oder ideeller Verluste zu beurteilen, falls diese digitalen Bestände einmal nicht mehr zugänglich sein sollten.

 

Was ist ein „digitaler Vermögenswert“?

 

Zu den digitalen Vermögenswerten gehören alle Online-Konten oder -Dienste, die durch Anmeldesicherheit geschützt sind, z. B. Identifikation und Passwort. Dies umfasst Dienste und Tools, die Sie möglicherweise täglich nutzen, wie etwa Ihr Telefon und Computer, E-Mail, soziale Medien, Fotos und Videos, Musik-Playlisten und diverse Abonnements.

Es gibt aber noch andere Ressourcen, an die Sie vielleicht erst denken, wenn Sie sie benötigen, z. B. Krankenakten, Dateien, die auf „Cloud-Konten“ gespeichert sind, Webdomains, die Sie besitzen sowie Online-Zahlungssysteme wie PayPal, Venmo und QuickPay. Online-Finanzkonten sind selbstverständlich digitale Vermögenswerte.

Kommt Ihnen das folgende Szenario bekannt vor? Sie haben vor einiger Zeit eine Anzeige für ein hoch verzinstes Online-Sparkonto mit Anmeldebonus gesehen. Ihr bisheriges Sparkonto warf nur sehr wenig Zinsen ab, daher eröffneten Sie das neue Konto online und überwiesen das Geld vom alten Konto. Die Kontoauszüge und Transaktionen für das neue digitale Konto waren nur online zugänglich. Man vergisst so etwas schnell. Vielleicht haben Sie es noch nicht einmal Ihrer Familie gegenüber erwähnt.

Die Frage ist: Wenn Ihnen etwas passiert, wer wüsste dann über dieses Konto Bescheid? Wie würden Ihre Begünstigten auf die dort eingezahlten Gelder zugreifen?

 

Was sollten Sie unternehmen? Hier nennen wir vier einfache Schritte, um Ihre digitalen Angelegenheiten zu klären und in Ordnung zu halten:

1) Machen Sie eine Bestandsaufnahme

Erstellen Sie eine Liste Ihrer oben genannten digitalen Vermögenswerte und aller anderen, die Ihnen sonst noch einfallen. Hinterlegen Sie an einem sicheren Ort ein Verzeichnis mit den Namen der einzelnen Konten, dem digitalen Standort und den Informationen, die für den Zugriff auf diese Konten erforderlich sind, z. B. Benutzernamen und Kennwörter.

Lassen Sie mindestens eine vertrauenswürdige Person wissen, wie sie auf Ihr Bestandsverzeichnis zugreifen kann. Das kann Ihr Steuerberater, Anwalt oder Ehepartner sein. Eine effektive Möglichkeit, um den Zugriff zu gewähren und Ordnung in Ihre Konten zu bringen, ist die Verwendung und Freigabe eines seriösen Online-Passwort-Managers, der all Ihre Passwörter in verschlüsselter Form an einem Ort archiviert. 

Überprüfen Sie jedes Finanzkonto nach seinem Titel und stellen Sie sicher, dass die Begünstigten namentlich aufgeführt sind. Bei den meisten digitalen Konten können Sie wie bei herkömmlichen Finanzkonten einen oder mehrere Begünstigte angeben. Gemeinschaftskonten gehen nach örtlichem Recht in der Regel automatisch auf den überlebenden Kontoinhaber über. 

Zwei hilfreiche Kontobezeichnungen sind „Übertragung im Todesfall“ und „Zahlbar im Todesfall“. Diese Begriffe können den Übergang von Vermögenswerten erleichtern und Ihren Begünstigten Unannehmlichkeiten und unnötige Kosten ersparen. Anstatt einer Kontobezeichnung können Sie auch mit Ihrem Anwalt erörtern, ob Sie das digitale Konto auf den Namen Ihres Trusts oder Ihrer persönlichen Holdinggesellschaft eintragen möchten.

Bei Online-Konten außerhalb Ihres Heimatlandes ist es besonders wichtig, die lokalen Gesetze Ihres Landes und mögliche Gesetzeskonflikte zu berücksichtigen. Wie Konten tituliert werden sollten und was mit Ihren Vermögenswerten geschehen kann, wenn Sie sie nicht mehr verwalten können, ist ein wichtiges Thema, das Sie mit Ihrem Steuerberater oder Anwalt besprechen sollten.

2) Benennen Sie Ihre vertrauenswürdige Kontaktperson

Erwägen Sie, für jedes Ihrer Online-Finanzkonten eine vertrauenswürdige Kontaktperson zu benennen. Bei den meisten Online-Finanzkonten können Sie eine vertrauenswürdige Kontaktperson angeben, die Ihre Bank oder Maklerfirma kontaktieren darf, wenn der Verdacht naheliegt, dass Ihr Konto möglicherweise von finanzieller Ausbeutung oder Betrug betroffen ist oder wenn Sie selbst nicht erreichbar sind. Die Benennung einer solchen Kontaktperson bei der Einrichtung oder Überprüfung Ihrer Konten kann später zum Schutz Ihrer digitalen Vermögenswerte beitragen.

3) Sorgen Sie dafür, dass Ihre digitalen Vermögenswerte in Ihren rechtlichen Dokumenten berücksichtigt sind, und gewähren Sie Ihrem Testamentsvollstrecker den entsprechenden Zugriff

Wenn Sie Ihre digitalen Vermögenswerte nicht in Ihre Nachfolgeregelung aufnehmen, wird Ihren Erben unter Umständen kein Zugriff gewährt, oder sie müssen Unannehmlichkeiten und Kosten in Kauf nehmen, um darauf zugreifen zu können.

Eine unzureichende rechtliche Planung für Online-Finanzanlagen könnte auch zu Verbindlichkeiten im Hinblick auf Nachlass- oder Erbschaftssteuern führen. Online-Finanzkonten generieren möglicherweise Erträge oder Verluste, die in Ihren allgemeinen Vermögensplan einfließen müssen. 

Konsultieren Sie Ihren Anwalt, welche Formulierungen in Ihrem Testament oder Ihrem Trust enthalten sein sollten.

4) Planen Sie immer

Im digitalen Zeitalter erstellen wir ständig neue Konten und ändern die Passwörter für bestehende Konten.

Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Online-Präsenz laufend protokollieren und mit Ihrem Anwalt bzw. Berater bei J.P. Morgan in Kontakt bleiben, wenn Sie neue Konten eröffnen, die nicht nur Ihren aktuellen Finanzstatus, sondern auch die Zukunft Ihrer Familie betreffen können.