Die Nachlassplanung ist keine leichte Aufgabe. Es wird Ihnen aber ein gutes Gefühl geben, wenn Sie Klarheit darüber haben, welches Vermögen Sie wann und wie überlassen.

Vielen Menschen ist bewusst, dass sie ihr Vermögen sinnvoll organisieren sollten – aber warum ist das so schwer umzusetzen? Viele von uns wissen ganz genau, was sie tun sollten. Das steht aber häufig im Widerspruch mit dem was wir tun möchten.1 Beispiel gefällig? Hätten Sie lieber eine Pizza oder einen Salat (seien Sie ehrlich!)? Wir wissen schon, dass Salat die vernünftigere Wahl wäre. Wir wollen aber lieber die Pizza. Mit der Zukunftsplanung ist es ganz ähnlich: Wir wissen, dass wir für die Zukunft planen sollten (und dabei auch Vermögenswerte zu berücksichtigen sind, die uns überdauern). Es ist aber so viel angenehmer, sich voll und ganz auf die Gegenwart zu konzentrieren!

Aus Studien geht hervor, dass es uns leichter fällt, uns nicht nur auf das zu konzentrieren, was wir tun möchten, wenn wir uns im Vorfeld zu dem verpflichten, was wir eigentlich tun sollten. Das ist die Quintessenz unseres „Korb“-Konzepts, das wir in früheren Artikeln bereits beschrieben haben. Wir haben darüber geschrieben, dass man einen Liquiditätskorb haben sollte, in dem Barmittel und andere liquide Mittel enthalten sind. Diese Liquidität dient als Sicherheit, deckt Ihren operativen Cashflow ab und ermöglicht darüber hinaus größere Anschaffungen sowie opportunistische Investments. Im Allgemeinen ist es ganz angenehm, über diesen Liquiditätkorb nachzudenken, da wir uns dabei auf unsere kurzfristigen Wünsche konzentrieren. Wir haben uns auch mit dem „Lebensstil-Korb“beschäftigt. Dieser ist zwar weniger spannend, enthält aber Mittel, die wir zur Seite legen sollten, damit wir uns darauf verlassen können, dass wir unsere Bedürfnisse und Wünsche während unserer Lebenszeit erfüllen können. 

In diesem Artikel beleuchten wir den Korb für den Erhalt oder die Aufteilung unseres Vermögens. Hierbei handelt es sich um ein Thema, das von den meisten Menschen gemieden wird. Warum? Wir wissen zwar, dass wir für die Zeit nach unserem Ableben planen sollten. Doch viele von uns möchten sich gar keine Welt vorstellen, in der es uns nicht mehr gibt. (Philosophen und Psychologen haben großartige Wälzer über dieses Thema geschrieben!)  Wie können wir uns also dazu motivieren, wirklich sinnvoll zu planen?

Vermögen aufteilen und / oder erhalten – und immer zielgerichtet handeln

Sehen Sie es einmal so: Nach Ihrem Ableben werden Sie Ihr angesammeltes Vermögen hinterlassen. Dieses Geld muss jemandem übertragen werden – bestimmten Menschen, Organisationen oder Unternehmen. Wenn Sie nichts tun, wird dieses Vermögen automatisch verteilt, wobei verschiedene Faktoren ausschlaggebend sind, darunter auch die Gesetzeslage Ihres Heimatlandes. Sie können jedoch auch zielgerichtet vorgehen und Ihr Vermögen entweder unter verschiedenen Begünstigten aufteilen, die nach Ihrem Ableben Ihr Vermögen erhalten, oder Sie organisieren Ihr Vermögen so, dass dieses nach Ihrem Ableben über mehrere Generationen hinweg erhalten bleibt. Entweder bestimmen Sie selbst, wo Ihr Geld hingeht oder nicht. Wenn Sie zielgerichtet vorgehen, treffen Sie bewusste und bedachte Entscheidungen, die auf Ihren persönlichen Werten und Zielen basieren. 

Versetzen Sie sich kurz in die Lage Ihrer Nachlassempfänger. Wäre es Ihnen lieber, wenn das Vermögen Ihnen ganz bewusst vermacht wird oder wenn es Ihnen einfach automatisch zufällt? Wenn wir uns die Folgen unserer Entscheidungen bewusst machen, kann uns dies dazu motivieren, zielgerichteter vorzugehen. Sie schaffen eine sinnvolle Grundlage für Ihr weiteres Handeln, wenn Sie sich überlegen, wer von Ihrem Vermögen profitieren soll – und dieses Vermögen können Sie dann als Geschenk betrachten. Wenn Sie also herausgefunden haben, wer von Ihrem Vermögen profitieren soll, können Sie sich mit den „Was“-, „Wann“- und „Wie“-Fragen beschäftigen. Auf diese Weise können Sie Entscheidungen treffen, die Ihnen und Ihrer Familie am besten dabei helfen, mit der Aufteilung oder dem Erhalt Ihres Vermögens die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Sie können sich diesen Korb auch als Vermögensgrundlage vorstellen. Diese Mittel sind für Ihre Erben und Begünstigten bestimmt. Gleichzeitig ist dieses Geld aber auch für den Fall der Fälle gedacht. Während das Vermögen in Ihrem Lebensstil-Korb dafür da ist, im Laufe Ihres Lebens aufgebraucht zu werden, können die Mittel in Ihrem Korb für die Aufteilung oder den Erhalt in den Lebensstil-Korb umgeschichtet werden, wenn hierfür weitere Mittel nötig sind – zumindest solange der Korb für die Aufteilung oder den Erhalt keine Schenkung enthält, die nicht rückgängig gemacht werden kann. Richtig: Hierbei ist ein Zielkonflikt zu berücksichtigen. So möchten Sie im Laufe Ihres Lebens einen bestimmten Wohlstand beibehalten und gleichzeitig die potenziellen Schenkungen für Ihre Erben und Begünstigten maximieren. 

Wer, was, wann und wie

Die Weichen sind gestellt: Sie haben ein beträchtliches Vermögen angesammelt, das Sie weitergeben möchten. Wie wir bereits besprochen haben, müssen Sie sich zunächst fragen, für wen das Geld bestimmt ist. Für Ihren Ehegatten / Ihre Ehefrau, Ihren Partner / Ihre Partnerin, Ihre Kinder, Ihre Enkel oder für künftige Generationen? Möchten Sie die Mittel vielleicht einer Gemeindeorganisation oder einer gemeinnützigen Einrichtung vermachen? Oder möchten Sie Ihr Vermögen auf einige oder alle dieser Personen oder Organisationen aufteilen? 

In meiner Arbeit mit Familien habe ich beobachtet, dass Menschen unterschiedliche Meinungen dazu haben, wie sich ihr Vermögen auf ihre Kinder auswirken wird. Und ihre Entscheidungen in diesem Bereich basieren auf diesen unterschiedlichen Sichtweisen. Manche sind der Ansicht, dass es ihre Kinder stärken wird, wenn diese ihr gesamtes oder einen Teil ihres Vermögens erhalten. Andere wiederum glauben, dass es ihre Kinder schwächen wird, wenn sie diesen ein beträchtliches Vermögen vererben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie zunächst entscheiden, wer Ihr Vermögen erhalten wird. 

Was genau beinhaltet Ihr Nachlass? Das ist die nächste Frage, die es zu klären gilt. Möglicherweise verfügen Sie über eine Mischung aus Eigentum, Anlagen, Immobilien und Unternehmen. Sie sollten darüber nachdenken, was diese Dinge derzeit wert sind, und wie viel sie in der Zukunft wert sein könnten. So können Sie leichter bestimmen, welcher Anteil Ihres Vermögens nach Ihrem Ableben unter Ihren Begünstigten aufgeteilt werden soll, und welcher Vermögensanteil – vielleicht eine Immobilie oder ein Unternehmen – für künftige Generationen erhalten bleiben soll. 

Als nächstes müssen Sie darüber nachdenken, wann Sie Ihr Vermögen weitergeben möchten. Vor oder nach Ihrem Ableben? Sie müssen entscheiden, wann diese Zuwendung beginnt und wann sie endet. Soll das Vermögen beispielsweise über einen längeren Zeitraum hinweg in vielen Teilzahlungen an die Begünstigten verteilt werden, oder soll es lediglich eine Auszahlung geben (z. B. bei Ihrem Ableben)? Falls Sie befürchten, dass es schwierig werden könnte, Ihr Vermögen nach Ihrem Ableben über einen längeren Zeitraum zu erhalten, liegen Sie damit genau richtig. Eine beträchtliche Anzahl an Studien bestätigt, dass 90 % des Vermögens normalerweise innerhalb von drei Generationen aufgebraucht ist (also in der Zeit der Enkelkinder des Vererbers), ganz nach dem Motto oder Bonmot: Die erste Generation schafft das Vermögen, die zweite verwaltet es und die dritte verjubelt alles. 

Schlussendlich sollten Sie mit Ihren Finanz-, Steuer- und Rechtsberatern zusammenarbeiten, um herauszufinden, wie Sie Ihre Hinterlassenschaft strukturieren sollten, damit diese Ihren Absichten am ehesten entspricht. Möchten Sie Ihr Vermögen beispielsweise gleichmäßig auf Ihre Kinder aufteilen, oder eine andere Aufteilung vornehmen, die Ihres Erachtens angemessener ist? Für viele Familien bedeutet „gerecht“ nicht immer „gleich“. Andere Faktoren wie die psychische Reife, die finanziellen Bedürfnisse und der Beitrag zur Familie spielen ebenfalls eine große Rolle, wenn es darum geht, welche Aufteilung als gerecht empfunden wird.

Vielleicht möchten Sie einen Teil Ihres Vermögens Ihren Kindern vermachen. Ihnen ist auch bewusst, dass Ihre Kinder dieses Vermögen bereits zu Ihren Lebzeiten sinnvoll verwenden könnten. Das könnte beispielsweise ein Haus sein, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie dieses nicht aus finanziellen Gründen noch zu Lebzeiten veräußern müssen. Deshalb können Sie die Kontrolle über dieses Objekt vielleicht mit gutem Gewissen abgeben und Ihren Kindern überlassen (siehe nachfolgende Tabelle). Es kommt entscheidend darauf an, dass Sie sich auf praktischer und psychologischer Ebene mit Ihrem eigenen Kontrollbedürfnis auseinandersetzen. Wenn Sie ein Objekt erst einmal abgegeben haben, verlieren Sie damit auch die Kontrolle darüber – zumindest teilweise. Die Steuerplanung und der Schutz von Vermögenswerten sind ebenfalls wichtige Faktoren, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie überlegen, wie Sie Ihre Schenkung gestalten möchten.

Was in Ihren Korb für die Aufteilung und / oder den Erhalt gehört

In der Tabelle wird beispielhaft veranschaulicht, wie das Vermögen aufgeteilt oder erhalten werden kann, indem man die „Wer“-, „Was“-, „Wann“- und „Wie“-Fragen beantwortet.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt zu berücksichtigen. Wenn Sie eine Schenkung an Ihre Kinder planen, die dem in Ihrer Lebenszeit erworbenen vollen Freibetrag entspricht, gehört dieses Vermögen eindeutig in den Korb für den Erhalt von Vermögen. Gelder, die Sie Ihren Kindern nach eigenem Ermessen steuerfrei schenken möchten, gehören jedoch in den Lebensstil-Korb.

Abschließende Überlegungen

Ganz egal, wie Sie bei ihrer Entscheidung bezüglich Aufteilung und / oder Erhalt die Wer-, Was-, Wann- und Wie-Fragen beantworten: Seien Sie sich immer über Ihre Ziele im Klaren. Es ist wichtig, dass Ihre Familienangehörigen und Begünstigten mit Ihren Absichten vertraut sind. Sprechen Sie offen und transparent über Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Erwartungen. Das ist damit gemeint, wenn man von einer zielgerichteten Vermögensplanung spricht. „Kein Erbe ist so reich wie Ehrlichkeit“, schrieb William Shakespeare in Ende gut, alles gut. Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

1 Gilbert, Sarah Jane. „Understanding the ‘Want’ vs. ’Should’ Decision.” Working Knowledge, Harvard Business School, 16. Juli 2007, hbswk.hbs.edu/item/understanding-the-want-vs-should-decision.