Anlagestrategie

Hürden überspringen: Der Endspurt zum Jahresende

Jeder Anleger könnte eine lange Liste von Marktrisiken aufstellen – ob Fragen zu den Ausgaben für künstliche Intelligenz, zur Finanzierung des Ausbaus und zum Zeitpunkt, ab dem diese Investitionen rentabel werden, oder zu den Spannungen an den europäischen Staatsanleihemärkten. Hinzu kommen die Unsicherheit rund um die US-Zwischenwahlen und erneute Befürchtungen einer militärischen Eskalation im Iran, die kurz darauf eintreten könnte. Und dennoch notiert der S&P 500 erneut weniger als 1 % unter seinem Allzeithoch.

Eine starke Ausgangslage

Widerstandsfähigkeit kommt nicht ohne Volatilität, insbesondere wenn der Kalender voller Risikoereignisse ist: bedeutende marktbewegende Ereignisse, die den Verlauf des Nahostkonflikts, die Signale zum Ausbau der KI-Infrastruktur oder sogar die Funktionsmechanismen der internationalen Finanzmärkte beeinflussen könnten. Da die Risiken jedoch allgemein bekannt sind, sichern sich Anleger in der Regel im Vorfeld ab.

Solche Ereignisse führen häufig dazu, dass Unsicherheit nachlässt oder Druck an den Finanzmärkten abgebaut wird. Anleger können sich dadurch neu positionieren, was häufig die Voraussetzungen für Kursgewinne schafft. Die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) im Oktober und die anschließende Entscheidung, den Leitzins unverändert zu lassen, sind ein Beispiel für ein Marktereignis mit Potenzial für Volatilität, das letztlich kaum Kursbewegungen auslöste.

Und dieses Mal spricht die historische Entwicklung für Anleger, die auf eine freundliche Stimmung in der Weihnachtszeit setzen. In den vergangenen 29 Jahren hat der S&P 500 im November im Durchschnitt 2,3 % zugelegt – der stärkste Wert aller Kalendermonate. Diese Renditen fallen in Zwischenwahlzyklen sogar noch höher aus: In Zwischenwahljahren erzielte der Index im November eine durchschnittliche Rendite von 2,75 %. In den darauffolgenden sechs Monaten verzeichnete der S&P 500 Gewinne von durchschnittlich rund 13 %.

Die Zwischenwahlen 2026 haben zwei wesentliche langfristige Auswirkungen auf die Märkte – beide sind möglicherweise bereits eingepreist.

Die erste ist die Debatte rund um KI, die über die Frage hinausgewachsen ist, ob die Technologie nützlich ist. Anleger möchten zunehmend wissen, wie viel Infrastruktur gebaut wird, wer sie finanziert und wann die Ausgaben hinreichende Erträge abwerfen werden, um die Investition zu rechtfertigen. Ein zentrales Element dieser Thematik ist die Stromversorgung, die Versorger – einen traditionell defensiven und stabilen Sektor – in den Mittelpunkt des Ausbaus der KI-Infrastruktur gerückt hat.

Anleger sorgen sich seit Langem um ein mögliches bundesweites Moratorium für den Ausbau von Rechenzentren, abhängig von der Zusammensetzung des Kongresses nach den Zwischenwahlen. Im Laufe des Sommers verlagerten sich jedoch viele der Befürchtungen von der nationalen auf die einzelstaatliche Ebene, wo der öffentliche Widerstand am stärksten zu spüren war. New York und Texas – zwei Bundesstaaten an entgegengesetzten Enden des politischen Spektrums – kündigten beide ein Moratorium für Rechenzentren an, das den Versorgersektor belastete.

Der zweite Aspekt betrifft die Staatsausgaben, da die Vereinigten Staaten mit geringem haushaltspolitischem Spielraum in die Zwischenwahlen gehen. Diese Ausgabenprioritäten sind angesichts möglicherweise unterschiedlicher Mehrheiten in den beiden Kongresskammern bedeutsam. Das politische Pendel schlägt bei Zwischenwahlen häufig zulasten der regierenden Partei aus, wobei die Mehrheitsverhältnisse in zumindest einer Kammer des Kongresses wechseln. Dies war in drei der vergangenen vier Zwischenwahlen der Fall.

Während dies normalerweise wenig bis gar keine politische Veränderung bedeutet, führt eine Blockade in manchen Fällen nicht zu weniger, sondern zu mehr Ausgaben. Bei einer echten Pattsituation können Gesetzgeber dazu veranlasst werden, die Prioritäten beider Parteien zu finanzieren – was mehr Ausgaben, nicht weniger, zur Folge hat. In einer Welt, in der die globalen Anleihemärkte empfindlich auf wachsende Staatsdefizite reagieren, kann diese Dynamik langfristige Auswirkungen auf die Laufzeitprämie haben, die Anleger für das Halten von US-Staatsanleihen verlangen. Dies kann Ausstrahlungseffekte auf andere Finanzmärkte haben, insbesondere auf den Aktienmarkt.

Verbreiterung des Aufschwungs

Selbst angesichts der anhaltenden Risiken zeigt der Aktienmarkt erste Anzeichen einer zunehmenden Marktbreite. Die realisierten Korrelationen zwischen Aktien bleiben niedrig, was bedeutet, dass die Wertentwicklung der Aktien bis zu einem gewissen Grad differenziert ist und sich nicht alle Einzeltitel gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen.

Während der Nasdaq 100 im Oktober zwischen Hoch und Tief zeitweise um bis zu 8 % nachgab und seine Verluste später wieder aufholte, legte der gleichgewichtete S&P-500-Index im selben Monat um rund 4 % zu. Der Anteil der S&P-500-Aktien, die neue 20-Tage-Hochs erreichten, überschritt zum ersten Mal seit dem zweiten Quartal 2025 die 50-Prozent-Marke. Eine derart breit aufgestellte Kursbewegung ging historisch sowohl auf Sicht von drei als auch von sechs Monaten weiteren Aktienmarktgewinnen voraus.

Der Weg zum Jahresende dürfte keine gerade Linie sein. Es gibt noch zahlreiche Hürden zu überwinden – von den Zwischenwahlen und der Geopolitik bis hin zu Fragen dazu, wie dauerhaft der Ausbau der KI-Infrastruktur ist. Doch Volatilität bedeutet nicht zwangsläufig, dass dem Bullenmarkt die Luft ausgeht. Vielmehr deuten widerstandsfähige Märkte, eine breitere Beteiligung am Kursaufschwung und die historisch starke Wertentwicklung zum Jahresende darauf hin, dass es für Anleger vorteilhafter sein könnte, über vorübergehende Unsicherheit hinwegzusehen, statt sich aus dem Markt zurückzuziehen. Die Hürden sind real. Bisher hat der Markt gezeigt, dass er sie überwinden kann.

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Die Anlagestrategien werden sowohl bei J.P. Morgan als auch bei externen Vermögensverwaltern ausgewählt und unterliegen einer ständigen Kontrolle durch unsere Manager-Research-Teams. Unsere Teams für den Portfolioaufbau wählen aus diesen Anlagestrategien diejenigen aus, die wir auf Basis unserer Vermögensallokationsziele und unseres Anlageausblicks für geeignet halten, um das Anlageziel des Portfolios zu erreichen.

Wir bevorzugen grundsätzlich Anlagestrategien, die von J.P. Morgan verwaltet werden. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der von J.P. Morgan verwalteten Anlagestrategien bei Strategien wie z. B. Baranlagen und erstklassigen festverzinslichen Anlagen (vorbehaltlich anwendbaren Rechts und mandatsspezifischer Erwägungen) hoch ausfallen wird (und zwar bis zu 100 Prozent).

Während unsere intern verwalteten Strategien in der Regel mit unserer vorausschauenden Anlagepolitik in Einklang stehen und wir sowohl mit den Anlageverfahren als auch mit der Risiko- und Compliancepolitik des Unternehmens vertraut sind, weisen wir darauf hin, dass J.P. Morgan bei einer Einbindung von intern verwalteten Anlagestrategien insgesamt mehr Gebühren erhält. Wir bieten die Möglichkeit, von J.P. Morgan verwaltete Anlagestrategien in bestimmten Portfolios auszuschließen (mit Ausnahme der Geldmarkt- und Liquiditätsprodukte).

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Trotz eines dicht gedrängten Risikokalenders schaffen die Marktbreite und die historische Outperformance die Voraussetzungen für überdurchschnittliche Erträge am US-Aktienmarkt nach den Zwischenwahlen.

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