Anlagestrategie

Inflation, Anleiherenditen und Aktien: Wann wird der Druck wirklich relevant?

Der Verbraucherpreisindex (CPI) für September hat in Erinnerung gerufen, dass der Weg zurück zu einer Inflationsrate von 2 % holprig bleibt. Die Gesamtinflationsrate stieg gegenüber dem Vormonat um 0,6 % und gegenüber dem Vorjahr um 3,7 %, womit die Jahresrate einen Zehntelprozentpunkt über dem Konsens lag. Ein Großteil des Anstiegs ging auf den Energiesektor zurück: Benzin verteuerte sich um 9,1 % und war für mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs der Gesamtrate verantwortlich. Der Erzeugerpreisindex (PPI) für September bekräftigte dieses Signal: Die Erzeugerpreise stiegen im September um 1,3 % und gegenüber dem Vorjahr um 6,3 % – beides deutlich stärker als erwartet.

Unmittelbar nach den CPI-Daten reagierte der Markt zunächst wie im Lehrbuch: Die Rendite zweijähriger Anleihen stieg, und die Kurve verflachte im Zuge eines „Bear Flattening“ – das heißt, die Anleiherenditen stiegen über die gesamte Kurve hinweg, am kurzen Ende jedoch stärker als am langen Ende. Die Terminmärkte verdoppelten in etwa die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve um einen Viertelprozentpunkt im Oktober auf rund 45 %. Im Tagesverlauf schwächte sich die Bewegung jedoch ab. Zum Handelsschluss am Mittwoch hatte der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen bereits nachgelassen, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober war wieder auf unter 30 % gesunken.

Der S&P 500 notierte nach den CPI-Daten unterdessen nur leicht im Minus, gab im weiteren Handelsverlauf jedoch nach, als Sorgen um Unternehmen mit starkem KI-Bezug die Oberhand gewannen. Dieser Druck hielt trotz des hohen PPI-Werts an, während sich die Zinskurve der US-Staatsanleihen weiter verflachte. Dabei legten langlaufende US-Staatsanleihen stärker zu als kurzlaufende, da sich die am Mittwoch einsetzende Flucht in sichere Anlagen bis Donnerstag fortsetzte.

Angesichts der aufeinanderfolgenden Inflationsüberraschungen ist diese anlageklassenübergreifende Reaktion ungewöhnlich, für diversifizierte Portfolios jedoch insgesamt konstruktiv. US-Staatsanleihen zeigen, dass sie nach wie vor gegen Wachstums- und Aktienmarktsorgen absichern können, wenn sich das dominierende Risiko von der Inflation wegverlagert. Die Anleihenrally bedeutet nicht, dass die Inflation keine Rolle mehr spielt. Sie bedeutet vielmehr, dass sich der Markt derzeit stärker auf die Wachstumsfolgen des KI-Ausverkaufs konzentriert. Die übergeordnete Frage lautet: Warum hat die höher als erwartet ausgefallene Inflation den Aktien so wenig nachhaltigen Schaden zugefügt? Selbst nach dem Ausverkauf der vergangenen beiden Tage notieren Aktien weniger als 2 % unter ihren Allzeithochs.

Eine Inflation über 2 % ist nicht automatisch ein negatives Zeichen für Aktien.

Über lange Zeiträume, in denen der CPI über 2 % lag, erzielte der S&P 500 dennoch beträchtliche kumulierte Renditen. Tatsächlich haben Aktien historisch selbst in längeren Phasen einer über dem Zielwert liegenden Inflation, einschließlich der aktuellen, positive langfristige Renditen erzielt. Das heißt nicht, dass Inflation für Aktien grundsätzlich vorteilhaft ist, doch ein Inflationsniveau über dem Ziel der Fed sagt für sich genommen bemerkenswert wenig über die langfristigen Aktienrenditen aus.

Inflationsschocks können nach wie vor zu ausgeprägter kurzfristiger Volatilität führen. Das Jahr 2022 ist hierfür ein deutliches Beispiel. Auf längere Sicht beeinflusst die Inflation die Wertentwicklung von Aktien weiterhin über Veränderungen des geldpolitischen Pfads und der Diskontierungssätze sowie über Druck auf die realen Haushaltseinkommen oder die Unternehmensmargen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer Rate über 2 %, die relativ eng begrenzt ist, und einem Inflationsprozess, der sich beschleunigt, ausweitet und in den Erwartungen verfestigt. Mit Ersterem konnten Aktien historisch gut leben. Bei Letzterem lassen sich die wirtschaftlichen Schäden und Bewertungseinbußen deutlich schwerer eindämmen.

Ausverkäufe bei US-Staatsanleihen lösen in der Regel eine verhaltene – nicht einheitliche – Reaktion am Aktienmarkt aus

Ähnlich wie beim Einfluss der Inflation auf Aktien kommt es weniger auf das Niveau der Anleiherenditen an als auf deren Veränderungsrate. Die Renditen von US-Staatsanleihen im mittleren bis langen Laufzeitbereich haben neue Höchststände erreicht, wie sie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten waren. Dennoch bewegen sich Aktien nahe ihren Allzeithochs.

Ausverkäufe bei US-Staatsanleihen haben für Aktien kein einheitliches Ergebnis hervorgebracht. Im Durchschnitt fiel die Reaktion des S&P 500 verhalten aus: Der historische Verlauf ist schwach und unruhig, 60 Handelstage nach Beginn der Bewegung jedoch im Wesentlichen unverändert. Die einzelnen Episoden fallen allerdings sehr unterschiedlich aus: Einige führten zu erheblichen Kursrückgängen, während andere ohne nennenswerte nachhaltige Wirkung verkraftet wurden. Genau diese Streuung ist der springende Punkt: Ein Ausverkauf am Anleihemarkt kann Gegenwind bedeuten, doch die Zinsbewegung allein bestimmt nicht die Entwicklung am Aktienmarkt.

Unternehmensgewinne sind der entscheidende Faktor

Inflation und Anleiherenditen werden für Aktien vor allem dann relevant, wenn sie die Nachfrage schwächen, die Margen belasten oder die Finanzierungskosten erhöhen. Gleiches gilt, wenn Analysten deshalb ihre Prognosen senken. Solange sich diese Effekte nicht in den Gewinnen niederschlagen, können Aktien oftmals ein erstaunliches Maß an makroökonomischer Volatilität verkraften. Am Kreditmarkt zeigt sich erster Druck, denn die Spreads im CCC-Segment haben sich in diesem Jahr um mehr als 100 Basispunkte ausgeweitet, bleiben insgesamt aber begrenzt. Rund 5,5 % des Hochzinsindex gelten als notleidend, nach zuvor 4,4 %, jedoch weiterhin deutlich unter den 11 % des Jahres 2022. Der Ausverkauf am Aktienmarkt in den vergangenen Tagen wurde zudem durch Sorgen um KI-bezogene Verschuldung ausgelöst. Im Kern preisen die Kreditmärkte die geldpolitische Unsicherheit neu ein, während der Aktienmarkt beginnt, nach Anzeichen für eine fundamentale Verschlechterung zu suchen.

Die Berichtssaison ist daher eine wichtige Bewährungsprobe. Die ersten Ergebnisse der Großbanken fielen insgesamt robust aus: Zinserträge aus dem Kreditgeschäft und marktsensitive Geschäftsbereiche sorgten für Unterstützung, während sich bei den Verbraucherkrediten keine breite Verschlechterung zeigte. Die Botschaft lautet nicht, dass höhere Zinsen unbedenklich sind, sondern dass der Druck beherrschbar bleibt. Auch die Marktkonzentration könnte kurzfristig als Puffer dienen, da es sich bei den Schwergewichten im Index um profitable Unternehmen mit hohen Cashflows handelt: Nur 48 % der Werte im S&P 500 notieren über ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, verglichen mit 73 % noch vor zwei Monaten. Eine derart schmale Marktführerschaft ist auf lange Sicht nicht unbedingt gesund (wie sich in den vergangenen Tagen zeigt), kann den Index jedoch vorübergehend vor der Schwäche jener Unternehmen abschirmen, die unmittelbarer von höheren Zinsen und Inflation betroffen sind.

Im weiteren Verlauf der Berichtssaison lautet die zentrale Frage, ob die Inflation die Fundamentaldaten der Unternehmen zu belasten beginnt. Der Konsens erwartet weiterhin ein Gewinnwachstum des S&P 500 von rund 30 % gegenüber dem Vorjahr. Damit läge das Wachstum im dritten Quartal in Folge bei über 25 %. Zudem wurden die Schätzungen im Quartalsverlauf sogar angehoben, statt wie üblich nach unten revidiert zu werden. Darüber hinaus wird für 9 der 11 Sektoren in diesem Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum erwartet, während für den Technologiesektor ein Wachstum von 64 % prognostiziert wird. Solange sich die Gewinne stabil entwickeln, können Aktien eine höhere Inflation und steigende Renditen verkraften. Sollten die Unternehmensausblicke jedoch eine schwächere Nachfrage, Margendruck oder steigende Finanzierungskosten erkennen lassen, werden dieselben Inflationsdaten deutlich stärker ins Gewicht fallen.

Wann könnte der Druck zu echten Verwerfungen führen?

Aktien können sich weiterhin gut entwickeln, solange Anleger eine straffere Geldpolitik als beherrschbare Anpassung und nicht als Beginn eines schädlichen Zyklus betrachten – und solange sich die Unternehmensgewinne weiterhin widerstandsfähig zeigen.

Das erste Warnsignal wäre ein breiter angelegter Inflationsprozess: aufeinanderfolgende Überraschungen nach oben bei der Kerninflation, eine stärkere Inflation bei arbeitsintensiven Dienstleistungen oder steigende markt- und umfragebasierte Erwartungen. Das zweite wäre ein sichtbares Übergreifen auf den Kreditmarkt: breitere Hochzins-Spreads, eine sich verschlechternde Zinsdeckung, steigende Zahlungsausfälle oder strengere Kreditvergabestandards. Das dritte wäre ein Bruch in der Gewinnentwicklung durch negative Revisionen, Margenkompression oder schwächere Ausblicke.

Inflation und Anleihevolatilität stellen den Aktienmarkt auf die Probe und dürften kurzfristig weiterhin für Gegenwind sorgen. Bislang haben Aktien den Druck, teilweise dank der Marktkonzentration, verkraftet und könnten sich weiter allmählich nach oben arbeiten, solange diese Risiken überschaubar bleiben und die Unternehmensgewinne das Vertrauen stärken.

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Die Anlagestrategien werden sowohl bei J.P. Morgan als auch bei externen Vermögensverwaltern ausgewählt und unterliegen einer ständigen Kontrolle durch unsere Manager-Research-Teams. Unsere Teams für den Portfolioaufbau wählen aus diesen Anlagestrategien diejenigen aus, die wir auf Basis unserer Vermögensallokationsziele und unseres Anlageausblicks für geeignet halten, um das Anlageziel des Portfolios zu erreichen.

Wir bevorzugen grundsätzlich Anlagestrategien, die von J.P. Morgan verwaltet werden. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der von J.P. Morgan verwalteten Anlagestrategien bei Strategien wie z. B. Baranlagen und erstklassigen festverzinslichen Anlagen (vorbehaltlich anwendbaren Rechts und mandatsspezifischer Erwägungen) hoch ausfallen wird (und zwar bis zu 100 Prozent).

Während unsere intern verwalteten Strategien in der Regel mit unserer vorausschauenden Anlagepolitik in Einklang stehen und wir sowohl mit den Anlageverfahren als auch mit der Risiko- und Compliancepolitik des Unternehmens vertraut sind, weisen wir darauf hin, dass J.P. Morgan bei einer Einbindung von intern verwalteten Anlagestrategien insgesamt mehr Gebühren erhält. Wir bieten die Möglichkeit, von J.P. Morgan verwaltete Anlagestrategien in bestimmten Portfolios auszuschließen (mit Ausnahme der Geldmarkt- und Liquiditätsprodukte).

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Aktien haben sich trotz erhöhter Inflation und gestiegener Anleiherenditen als widerstandsfähig erwiesen. Ob diese Stärke von Dauer ist, dürfte maßgeblich von der Gewinnentwicklung abhängen.

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